Eine Erfolgsgeschichte

Chronik der Euro-Baumschule Rudolf Schmidt

Die vom schottischen Gärtner James Booth geleitete Baumschule des Barons C. von Voght in Klein-Flottbek führte zur Entstehung des Baumschulengebietes im Kreis Pinneberg. In diesem Betrieb wurden auch die ersten Baumschulgärtner ausgebildet.

Durch Vertragsanbau entstanden um 1850 zunächst drei Baumschulen in Halstenbek und Rellingen. Der wachsende Bedarf an Gehölzen von Städten und Gemeinden und der weitere Ausbau des Straßen- und Schienennetzes begünstigte diese Entwicklung. So kam es zur Gründung weiterer Baumschulen in der Region und auch der Baumschule Rudolf Schmidt 1904 in Rellingen.

Der 1883 geborene Rudolf Schmidt erhielt in der seit 1870 bestehenden, damals sehr bekannten Baumschule J.F. Müller seine gärtnerische Ausbildung. Nach Lehr- und Wanderjahren im In- und Ausland machte sich der 21-jährige Rudolf Schmidt am 1. September 1904 mit einem halben Hektar Land am Ellerbeker Weg in Rellingen selbstständig. Es begann mit Rosen, Wildlingsanzuchten und Forstpflanzen. Die Vermittlung von Pflanzen brachte zusätzlich Geld; das Baumschulgeschäft lief. Fleiß und Energie zahlten sich aus, der lange Arbeitstag des passionierten Frühaufstehers trug Früchte.

So konnte vier Jahre nach Betriebsgründung geheiratet werden. Anna Schmidt, geborene Warncke, war der gute Geist der Familie. Otto (1910), Günther (1915) und Senta (1920) wurden geboren. Als Frau und Mutter war Anna Schmidt ausgleichendes Element, sie hatte großen Anteil am Erfolg des Unternehmens.

Bis zum 1. Weltkrieg entwickelte sich die Baumschule Rudolf Schmidt zu einem florierenden Betrieb mit 16 Hektar Anbaufläche. Der Export, insbesondere nach Skandinavien und in das kaiserliche Russland, für damalige Zeiten ungewöhnlich, wurde zum Hauptumsatzträger. Rudolf Schmidt war hier Vorreiter, seine während der Wanderjahre geknüpften Verbindungen erwiesen sich dabei als sehr nützlich. In der Kriegszeit 1914-1918 kam es dann zwangsläufig zum verstärkten Anbau von Getreide und Gemüse zu Lasten der Baumschulkulturen.

Der wirtschaftliche Erfolg ermöglichte 1919 den Umzug in die Geschäftsgebäude an der Hauptstraße im Ortskern von Rellingen. Als Folge des Krieges verschlechterte sich die Lage, nicht nur für die Baumschulen, sondern ganz allgemein, und erreichte im Inflationsjahr 1923 einen negativen Höhepunkt. Für die exportorientierte Baumschule Rudolf Schmidt war der Verlust wichtiger Absatzgebiete im Osten besonders schmerzlich.

Mit der Einführung der Rentenmark im Oktober 1923 besserte sich die Lage. Der verstärkten Nachfrage wegen wurden für die Anzucht von Obstbäumen in Bantin bei Zarrentin im benachbarten Mecklenburg 45 Hektar dazu gepachtet, 1935 aber wieder aufgegeben, als der Marschhof Tatenberg auf Hamburger Staatsgebiet mit 90 Hektar erworben und für die Obstbaumanzucht eingerichtet wurde.

Auch die Baumschule Rudolf Schmidt profitierte vom beginnenden Aufschwung in den 20er Jahren und von dem langsam wieder anlaufenden Pflanzenexport nach Skandinavien und vor allem nach England. So konnten 1924 in Halstenbek, dem heutigen Standort des Unternehmens, 25 Hektar erworben werden.

1926 begann dort auch die Ausbildung von Lehrlingen im Außenbetrieb. Die Baumschule wurde in den Folgejahren zu einer begehrten Ausbildungsstätte für junge Gärtner aus dem In- und Ausland. Ab 1935 wurden dann auch kaufmännische Lehrlinge im Büro ausgebildet.

Mit tatkräftiger Unterstützung vieler langjähriger Mitarbeiter entwickelte sich die Baumschule Rudolf Schmidt zu einem der führenden Betriebe. Die Prokuristin Fräulein Brix, die Obergärtner Hofmann und Höse sowie Gärtnermeister Lathus sollen hier stellvertretend für viele andere genannt werden.

Rudolf Schmidt hat sich zeitlebens für die Allgemeinheit und den Berufstand eingesetzt. So hat er 1907 den Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V. mitbegründet und war lange Jahre Vorsitzender des Schiedsgerichts des BdB. Als Gemeindevertreter hat er zum Wohle der Gemeinde tatkräftig mitgearbeitet. Er war als leidenschaftlicher Jäger und Autofahrer bekannt.

Die Söhne Otto und Günther, die beide den Beruf des Vaters gewählt hatten, waren maßgeblich am Betriebsgeschehen und Betriebserfolg beteiligt. Nach der Gärtnerlehre bei Gebr. Heinsohn, Wedel, und dem Besuch von Sprachschulen in London und Stockholm arbeitete der ältere Bruder Otto von 1929 an im Betrieb, wobei die Reisetätigkeit im In- und Ausland überwog. Günther erhielt seine Ausbildung bei L. Späth in Ketzin, O. Stephan in Brockwitz bei Dresden und im eigenen Betrieb in Rellingen. Es folgten Gehilfenjahre in Deutschland, Holland und England und 1938/39 das Studium an der Lehr- und Forschungsanstalt in Berlin-Dahlem (bei Prof. Maurer).

1938 wurden Otto und Günther Schmidt Mitinhaber und der Unternehmungsgeist und die Tatkraft von Inhabern und Mitarbeitern machten die Baumschule Rudolf Schmidt zu einem Begriff in der Branche. Das Anzuchtprogramm wurde ausgeweitet, der Export steigerte sich. Da begann 1939 der 2. Weltkrieg, beide Junior-Chefs wurden zum Kriegsdienst einberufen, der Senior Rudolf Schmidt hatte wieder die Gesamtlast des größer gewordenen Betriebes zu tragen. Trotz der schweren Kriegsjahre fanden die Söhne nach ihrer Rückkehr 1945 eine immer noch funktionierende Baumschule vor.

Der Wiederanfang nach Kriegsende war nicht leicht. Durch Auflagen der Militärregierung musste der größte Teil der Gehölzbestände zu Gunsten des Anbaus von Gemüse geräumt werden. Nach Aufhebung der Beschränkungen ging es dann wieder aufwärts. Die Sortimente wurden, auch mit Neueinführungen, weiter ausgebaut, drei- bis sechsmal verpflanzte Alleebäume sowie Solitärpflanzen in das Kulturprogramm aufgenommen.

Auch die berufsständische Arbeit nahm nach Kriegsende wieder Formen an. Unter Beteiligung von Günther Schmidt erfolgte im September 1945 die Wiedergründung des BdB. Die ehrenamtliche Mitarbeit in Ausschüssen und Fachausschüssen war für Otto und Günther selbstverständlich. Sie hatten viele Funktionen im Berufsverband, auch als Ausschussvorsitzende. Schwerpunkte waren Markt- und Qualitätsfragen, Wirtschaftspolitik, Außenhandel und die Berufsausbildung. Otto Schmidt machte sich außerdem als langjähriger Schatzmeister um den BdB und den Landesverband Schleswig-Holstein verdient. Günther Schmidt war seit 1966 Mitglied des Bewertungsbeirates Gartenbau beim Bundesfinanzministerium. Als Mitglied des Gemeinderates in Rellingen und des Pinneberger Kreistags engagierte er sich wie sein Vater für die Allgemeinheit.

Die Baumschule Rudolf Schmidt verfügte 1953 über 60 Hektar Baumschulfläche und 80 Hektar landwirtschaftliche Nutzflächen als Tauschland. Der Personalbestand war auf etwa 100 ständig beschäftigte Mitarbeiter angewachsen. Der Firmengründer Rudolf Schmidt scheidet mit 70 Jahren aus dem Arbeitsleben aus und übergibt den Betrieb an seine beiden Söhne Otto und Günther.

Die Firmenbezeichnung "Euro-Baumschule Rudolf Schmidt" wird 1969 handelsgerichtlich eingetragen. Damit wird die Bedeutung des Unternehmens für den Pflanzenhandel in Europa unterstrichen. Von Anfang an im Außenhandel engagiert, ist der Export von Baumschulpflanzen inzwischen auf etwa 25 Prozent des Umsatzes angestiegen.

Der Firmensitz mit der Verwaltung wird 1977 aus der beengten Ortslage in Rellingen in den bestehenden Betrieb in Halstenbek verlegt, um zukünftig noch wirtschaftlicher und schneller arbeiten zu können. Inmitten der 80 Hektar arrondierter Baumschulfläche liegen jetzt Bürogebäude, Lager- und Versandhallen, der Einschlag, Lade- und Versandeinrichtungen sowie Werkstätten und Geräteschuppen zusammen.

Mit dem 75-jährigen Betriebsjubiläum 1979 scheidet Otto Schmidt aus Altersgründen aus und Günther Schmidt wird Alleininhaber. 1989 erfolgt die Verpachtung des Unternehmens an die langjährigen Mitarbeiter Kurt Schwardt und Eckart Zölffel.

Die Euro-Baumschule Rudolf Schmidt wächst in den Folgejahren auf 150 Hektar Baumschulfläche heran. Das Sortiment wird ständig durch neue und verbesserte Arten und Sorten erweitert. Neue Erkenntnisse in Kulturverfahren und die ständige Weiterentwicklung der Baumschultechnik sorgen für eine qualitativ hochwertige Produktion von Allee- und Straßenbäumen.

Um neben dem umfangreichen Pflanzenangebot für die Begrünung von Anlagen jeder Größenordnung während der Pflanzsaison auch ein Pflanzenangebot außerhalb der Saison bereitzuhalten, wurde 1990/91 mit der Produktion von Bäumen im Container begonnen. So konnten die Kunden auch während der Sommermonate kleinere und mittlere Bauvorhaben fertig stellen.

Zum 100-jährigen Jubiläum im September 2004 präsentiert sich die Euro-Baumschule Rudolf Schmidt auf dem europäischen Markt unverändert als leistungsfähiger Lieferant und Ansprechpartner für den gesamten Gehölzbereich.